Es gehört zu den Aufgaben des Bergbaus, geschützten Tier- und Pflanzenarten in der Bergbaufolgelandschaft eine neue Heimat zu geben. Deshalb wird eine strukturreich gegliederte Landschaft nach dem Bergbau geschaffen, die gleichzeitig landwirtschaftliche Produktion sowie reizvolles Landschaftserleben ermöglicht und für Tiere wichtige Wanderkorridore entlang von Hecken- und Saumstrukturen im Sinne eines Biotopverbundes bietet. Auf sogenannten Dauerbeobachtungsflächen wird die Entwicklung verfolgt und dokumentiert. MIBRAG arbeitet auf diesem Gebiet mit verschiedenen Institutionen und Fachbüros zusammen.

Heute werden die Betriebsabläufe selbstverständlich mit den Belangen des Natur- und Artenschutzes harmonisiert. Die im Vergleich zur Kulturlandschaft wenig von Menschen frequentierten Tagebauflächen bieten ideale Rückzugsräume für störempfindliche und dadurch seltene und geschützte Arten. Außerdem haben sich Standortbesonderheiten entwickelt, die zum Beispiel Orchideen gedeihen lassen. Wird die Inanspruchnahme solcher Bereiche erforderlich, werden geschützte Arten der Flora und Fauna an geeignete Standorte umgesiedelt. Anschauliche Beispiele dafür sind die Schaffung von Amphibienersatzgewässern bei Maltitz in Sachsen sowie Reptilienhabitaten auf der Kippe Pirkau in Sachsen-Anhalt.

Seit vielen Jahren beauftragt MIBRAG Fachleute mit der naturschutzfachlichen Betreuung dieser Prozesse. So entstand in der Liegendwasserhaltung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain ein temporäres Naturschaufenster. Dort brüten unter anderem Kraniche, Kiebitze, Blaukehlchen, Große Rohrdommeln und Schwarzhalstaucher. Der Brachpieper fühlt sich auf den vielfältigen umliegenden Rohbodenflächen wohl. Die betreuenden Naturschützer registrierten in diesem Refugium 45 bestandsbedrohte Vogelarten sowie seltene Amphibienarten wie Kreuz- und Wechselkröten.

Im Tagebau Profen hat sich eine der größten Populationen an Bienenfressern Sachsen-Anhalts angesiedelt. Dazu legte MIBRAG in der Nähe einer für ihre Brutröhren geeigneten Steilwand Futterpflanzenparzellen und Ansitzhilfen an, um den Vögeln auch bei fortschreitendem Tagebaubetrieb artgerechte Lebensbedingungen zu ermöglichen.

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Natur- und Artenschutz - Eidechsen

Zauneidechsen ziehen an den Landschaftssee Großstolpen

Kurz nach Ostern 2020 begann der Umzug einer überregional bedeutsamen Population von etwa 300 Zauneidechsen aus dem Abbaufeld Peres des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain an das Südufer des Landschaftssees Großstolpen bei Groitzsch. Dort hat die GALA-MIBRAG-Service GmbH im Auftrag von MIBRAG vier Habitatstränge mit 620 Metern Gesamtlänge auf einer Fläche von 1,5 Hektar errichtet. Sie sollen den Reptilien ideale Bedingungen zum Leben und Vermehren bieten. Für die stressfreie Umsiedlung in die neue Heimat sorgt die Ökologische Station Borna-Birkenhain. Sie begleitet das anspruchsvolle Natur- und Artenschutzprojekt fachlich.

Die Zauneidechsen werden vor dem geplanten Rückbau einer technischen Anlage im Tagebau vorsorglich umgesiedelt. Die Mitarbeiter der Ökologische Station sammeln die Tiere täglich entlang von Fangzäunen ein und transportieren sie an den Landschaftssee Großstolpen. Die schon von weitem sichtbaren Wälle aus Stein, Gehölz und Sand sind mit allen Schikanen für Eidechsen ausgestattet: Versteckmöglichkeiten, Überwinterungsgruben und Eiablageplätzen. Annett Bellmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ökologischen Station, über die Lebensbedingungen: „Zauneidechsen bevorzugen trockene, reich gegliederte Landschaften. Um die Tiere langfristig ansiedeln zu können, benötigen sie ausreichende Rückzugsmöglichkeiten, sonnige Orte mit spärlicher Vegetation, insektenreiches Offenland zur Nahrungssuche und kahlen Stellen.”

Sebastian Gabler, Projektleiter von MIBRAG, erklärt die auf zwei bis drei Jahre angelegte Aktion: „Es ist inzwischen selbstverständlich, dass die Betriebsabläufe im Tagebau mit den Belangen des Natur- und Artenschutzes harmonisiert werden.“ Aufgabe und Herausforderung von MIBRAG sei es, geschützten Tier- und Pflanzenarten auch in der Bergbaufolgelandschaft eine Heimat zu geben. Ziel ist die Schaffung einer strukturreich gegliederten Landschaft nach dem Bergbau, die gleichzeitig landwirtschaftliche Produktion und reizvolles Landschaftserleben ermöglicht und wichtige Wanderkorridore entlang von Hecken- und Saumstrukturen für Tierarten bieten.