Diese Website benutzt einen Webanalysedienst und verwendet Cookies. Stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu?

Überspringen Sie den folgenden Slider

Slider wurde übersprungen

Archäologie

Der Bergbau öffnet auf seine Weise Fenster in die Vergangenheit und macht so die wissenschaftliche Untersuchung von Früh- und Vorgeschichte möglich. MIBRAG unterstützt diese Suche nach historischen Wurzeln auf vielfältige Weise.

Vor der eigentlichen Kohlengewinnung untersuchen Archäologen das jeweilige Vorfeld der Förderstätte. Sowohl im Tagebau Profen (Sachsen-Anhalt) als auch im Tagebau Vereinigtes Schleenhain (Sachsen) finden die Wissenschaftler verborgene Zeugnisse der Menschheitsgeschichte.

MIBRAG initiierte in Sachsen und Sachsen-Anhalt Stiftungen zur Förderung der Archäologie:

Diese Stiftungen ermöglichen zahlreiche Forschungsprojekte und Grabungen in Mitteldeutschland und vergeben Stipendien an Studenten und junge Wissenschaftler. Seit 2007 loben die MIBRAG-Stiftungen einen exklusiven Archäologiepreis in Sachsen-Anhalt  und den Werner-Coblenz-Preis in Sachsen aus.

Archäologie im Tagebau Vereinigtes Schleenhain

Schicht für Schicht: Die Freilegung 7.000 Jahre alter Brunnen

 

Sachsens Braunkohletagebaue sind eine besondere Quelle für archäologische Erkundungen. Die „Archäologie der großen Fläche“ bietet die seltene Gelegenheit, die im Boden erhaltenen Spuren der Menschheitsgeschichte ganzheitlich zu untersuchen.

 

Zahlreiche Fundstellen geben einen beeindruckenden Einblick in alle Epochen der Menschheitsgeschichte. Eine Besonderheit im Tagebau Vereinigtes Schleenhain (Landkreis Leipzig) ist die große Funddichte von jungsteinzeitlichen Brunnen: Bei Droßdorf stieß man auf ein wahres „Brunnenfeld“ mit insgesamt neun Brunnen, von denen sieben vor Ort untersucht werden konnten.

 

Zwei Brunnen wurden als Blockbergungen in eine Halle in Großstolpen (Groitzsch) gebracht und werden dort unter Laborbedingungen ausgegraben.

 

Die über 7000 Jahre alten Brunnen aus der Jungsteinzeit gehören nachweislich zu den ältesten Holzbauwerken in Europa. Archäologen, Zoologen, Botaniker, Bodenkundler und Geologen öffnen mit Hilfe moderner wissenschaftlicher Methoden ein Fenster in eine ferne Vergangenheit. In der Halle in Großstolpen befindet sich zugleich eine modern gestaltete, thematisch einführende  Ausstellung. Gezeigt werden Funde aus der linienbandkeramischen Siedlung von Droßdorf sowie weitere Fundstücke aus anderen sächsischen Brunnen.

 

Das Landesamt für Archäologie Sachsen möchte die interessierte Öffentlichkeit gerne an den spannenden Untersuchungen teilhaben lassen und  lädt regelmäßig zu öffentlichen Führungen ein.

 

Adresse: 04536 Groitzsch, B 176 1, Gewerbegebiet Großstolpen West


Archäologie im Tagebau Profen

Über 2000 Jahre alte Siedlung bei Ausgrabungen im Tagebau Profen entdeckt

 

Seit 2009 und vor allem verstärkt seit Herbst 2013 führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt archäologische Untersuchungen im MIBRAG-Tagbauvorfeld Domsen bei Hohenmölsen, Landkreis Burgenlandkreis durch, wobei der Schwerpunkt zunächst auf großmaßstäbigen Dokumentationen lag. Auf diese Weise gelang ein effektiver und umfassender Überblick zur langen Besiedlungs- beziehungsweise Nutzungsgeschichte auf dem heutigen Tagebauvorfeld Domsen. So wissen wir heute, dass sich bereits der spätpaläolithische Mensch von Zeit zu Zeit an den Hängen des Elstertales aufgehalten hat. Ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. beobachten wir hier – wie im gesamten Zentraleuropa – eine gezielte Fokussierung auf die Lösszonen. Menschen der sogenannten Kultur der Linienbandkeramik (5.500 bis 5.000 v. Chr.) waren die Pioniere der Landwirtschaft, die auf diesen Gunstböden ihre Äcker beziehungsweise vielmehr Gärten rund um die Siedlungen anlegten. Von besonderer Bedeutung sind daher Entdeckungen dieser archäologischen Kultur im Feld Domsen: verschiedene erfasste Grabenstrukturen als Spuren der Nutzung des Auenbodens im Tal der Grunau stellen keine Umfassung im Sinne einer Wehrbefestigung dar. Vielmehr dienen diese der Entwässerung des feuchten Talgrundes. Erstmalig gelingt damit hier der archäologische Nachweis bewusster Melliorationsarbeiten – und das 7.000 Jahre vor heute!

 

In der entwickelten Jungsteinzeit wird die kleine Region durch die sogenannte Baalberger Kultur (um 4.000 v. Chr.) erneut besiedelt. Eine besondere Hinterlassenschaft dieser Siedlungsphase sind tiefe, als Bestattungsplätze genutzte Schachtgruben innerhalb des eng genutzten Siedlungsbereiches. Auch in der Folgezeit – während dem Spätneolithikum und der Frühbronzezeit (2.200 bis 1.600 v. Chr.) geriet der Landstrich nie in Vergessenheit: einzelne Bestattungen, verstreute Hausgrundrisse und Niederlegungen von Schmuckgegenständen belegen dies eindrucksvoll.

 

Eine ganz besondere Hochblüte verzeichnen wir im 1. Jahrtausend v. Chr. – zum Ende der Bronzezeit und ab der einsetzenden Eisenzeit, wobei der „Siedlungsboom“ bis in die Frühphase der sogenannten Römischen Kaiserzeit (1. Jh. n. Chr.) anhält. Zahlreiche Abfallgruben, ein Brunnen, Teilbestattungen und viele weitere Befunde wurden im Zuge der Ausgrabungen auf einem Areal von rund einen Hektar Größe dokumentiert. Charakteristische Gefäße – sowohl Gebrauchskeramik als auch besondere Stücke wie Miniaturgefäße – wurden in den letzten Wochen geborgen. Unter den Fundobjekten sind Bruchstücke von bronzenen Gewandschließen (Fibeln) besonders hervorzuheben.  Außerdem kamen silberne Denare der frühen und mittleren Römischen Kaiserzeit zutage: Vespasian (röm. Kaiser  von 69 bis 79 n. Chr.) sowie Antoninus Pius (röm. Kaiser von 138 bis 161 n. Chr.). Diese Münzen belegen eindrücklich die enge Einbindung der kleinen Region um Domsen in die weite Welt des römischen Reiches rund um Christi Geburt.

 

Welche Bedeutung einer Grube zukommt, in der zahlreiche Rinderskelette und weitere Tierteile deponiert wurden, lässt sich momentan noch nicht eindeutig belegen. Musste hier sehr schnell im Zuge einer Seuche Kadaver vergraben werden? Oder fassen wir den rituellen Ausschnitt des damaligen Lebens?


Goldschatz von Profen

Archäologen machten 2006 im Tagebauvorfeld Profen einen Sensationsfund. Sie hoben einen Goldschatz aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Er befand sich in einem von 600 Gräbern, die zwischen 2006 und 2007 jeweils im Block ausgehoben und in die Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums transportiert wurden.

Mithilfe von Computertomographen, Rasterelektronenmikroskopen und anderer Hightech-Analysetechnik wurden die Urnen fachgerecht untersucht. Die meisten enthielten Überreste in Keramikurnen, die die Feuerhitze überstanden: Knochensplitter, Gewandschließen, Schmuckstücke aus Glasperlen, Pinzetten, Spiegel, Rasiermesser oder auch Waffenreste. Aus der Masse der Bestattungen ragte allerdings ein opulent ausgestattetes Grab aus Bronze heraus. Prächtig bekleidet, statusgemäß auf einem Bärenfell gebettet – das zeigten die Reste von Krallen – umgaben die Germanin Schmuck und Trachtenbestandteile aus Gold mit einem Gesamtgewicht von 430 Gramm sowie mehrere römische Silbergefäße. Es fanden sich außerdem zwei goldene Fibeln, zwei aufgebogene Armreifen, zwei Ringe, zwei Fuchsschwanzketten mit Berlocken.

Das Grab von Profen ist das bislang reichste Frauengrab der frühen römischen Kaiserzeit im gesamten freien Germanien. Die wertvollsten Teile sind heute im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle zu sehen.